Großes Interesse an unseren historischen Schwertfechtern

admin

Sat.1 Regional zu Gast

Am Mittwoch, den 22.07., kam ein Team von Sat.1 Regional zu uns auf die Anlage in der Georg-Westermann-Allee. Im Fokus standen unsere historischen Schwertfechter. Von 18:00-19:30 Uhr machten sie verschiedene Aufnahmen unserer Sportler. Nicht nur mit Schwertern, die der Sportart ihren Namen verleihen, sondern auch mit Dolchen wurde vor der Kamera agiert. Seid gespannt wie vielseitig das historische Schwertfechten ist. Über den Sendetermin werden wir Euch schnellstmöglich informieren.

Bereits einige Zeit zuvor hatte auch die Braunschweiger Zeitung Interesse an dieser spannenden Sportart. Den vollständigen Artikel könnt Ihr nachstehend lesen.

Haben die Bilder und der Artikel auch Euer Interesse geweckt? Dann meldet Euch und werdet Teil dieser Abteilung!

Duelle wie im Mittelalter – nur mit stumpfen Waffen

Im Polizei SV praktizieren rund 30 Mitglieder das Historische Schwertfechten. Manche fertigen sich ihre Ausrüstung selbst an.

Ein Text von Henning Thobaben

Braunschweig Es war ein altes Bambusschwert, das Martin Sommer vor vielen Jahren neugierig machte. Es war auf einem Flohmarkt liegen geblieben, keiner hatte es kaufen wollen. Sommer nahm es mit. „Ich habe geschaut, was ich damit machen kann“, erzählt er. Im Internet besorgte er sich eine geschichtliche Quelle – die Faszination für das Historische Schwertfechten war entbrannt. Heute gehört der Mittvierziger zu den erfahreneren Aktiven in der entsprechenden Abteilung im Polizei SV, die sich vor gut einem Jahr gegründet hat.

Normalerweise trainiert die aus 30 Mitgliedern bestehende Gruppe zweimal wöchentlich in der Halle. Coronabedingt nutzt sie derzeit nur sonntags den Rasenplatz des Polizeistadions. Wer denkt, dass sich auf dem Stück Grün dann waffenbegeisterte Mittelalter-Nerds wilde Gefechte liefern, liegt falsch. Unter Anleitung eines Trainers lernen die Mitglieder verschiedene Techniken kennen. Die theoretische Grundlage liefert die sogenannte deutsche Schule, deren Blütezeit im 15. Jahrhundert war. Bekannte Autoren sind Hans Talhoffer, Albrecht Dürer, Fabian von Auerswald und Peter von Danzig. Aus diesem Grund schwingen die Aktiven im Polizei SV weder japanische Samuraischwerter noch praktizieren sie das modernere Florettfechten.

Zum Einsatz kommen im Training stumpfe Schwerter, Kinder nutzen Kunststoffvarianten. Scharfe Waffen werden bestenfalls im privaten Bereich geschwungen. Etwa bei Martin Sommer im Garten. Er besitzt zehn historische Waffen. Um sie zu nutzen, füllt er leere Milchkartons mit Wasser und zerteilt sie mit gezielten Hieben.

Axel Harzer hat schon vor gut acht Jahren Gefallen an dem Sport gefunden. Über einen persönlichen Kontakt erfuhr er vom Historischen Schwertfechten und wollte eigentlich nur einmal zuschauen. „Aber dann sollte ich gleich mitmachen, und es hat Spaß gemacht“, berichtet er. „Der Sport ist dynamisch und facettenreich, die Techniken und Bewegungsabläufe sind anspruchsvoll.“ Harzer gehört zu den mehr als 20 Männern in der Gruppe, die aber immerhin zu einem Fünftel aus Frauen besteht. Kinder dürfen ab einem Alter von 10 Jahren starten.

Für eine Ausrüstung muss mit der Zeit jedes Mitglied selbst sorge n. Das Wichtigste: die Fechtfeder, für die in der Regel 200 bis 300 Euro zu berappen sind. Zur Schutzausrüstung gehören außerdem der Gambeson als textiles Rüstungsteil, Handschuhe und ein Helm. Weil auch der Dolchkampf zu den Kerndisziplinen der Gruppe gehört, besitzen die Meisten auch davon einen. Zudem proben die Mitglieder beim Kampfringen auch das unbewaffnete Duell.

Ulf Hamster und Ralph Wehmeier liefern sich bei der Trainingseinheit einen ganz besonderen Kampf auf der Stadion-Laufbahn. Sie haben Schilde mitgebracht und gehen damit in ein Duell – wenngleich beide wissen, dass dieses historisch gesehen nicht ganz authentisch ist. Denn: Ulf Hamster hat ein Rundschild in der Hand, das im Frühmittelalter etwa bis in die Zeit um 1000 nach Christi Geburt genutzt wurde. Sein Gegenüber schützt sich mit einem Wappenschild, das es erst im Hochmittelalter gab.

Beide haben sich die Schilde selbst gebaut. „Ich habe eine Sperrholzplatte mit Leinen bezogen, die Ränder habe ich mit Rohhaut bearbeitet“, erzählt Ulf Hamster. Ein handgeschmiedeter Schildbuckel kam genauso hinzu wie Kleinteile aus Holz und Leder. „Die Größe der Schilde hat sich früher immer nach der Körpergröße des Besitzers gerichtet“, erklärt er. Hamster beschäftigt sich viel mit historischen Hintergründen und weiß unter anderem, warum der Griff des Schwertes irgendwann ein Stück länger geworden ist. „Die Rüstungen sind dicker geworden, es waren keine Schilde mehr nötig. Da war die Frage: Was mache ich mit der zweiten Hand?“, erzählt er. Antwort: Sie ging ebenfalls ans Schwert, der Griff musste länger werden.

Ralph Wehmeier ist ebenfalls historisch bewandert, er ist mit seiner Familie mehrfach im Jahr auf Mittelaltermärkten unterwegs und tritt dort zu Kämpfen an. Verletzungen hat er schon öfter erlitten, einmal eine schmerzhafte Schnittwunde am Schulterblatt. „Wenn sich das Schwert schnell bewegt, sieht man es nicht mehr“, erklärt er. Beim Training im Polizei SV geht es deutlich langsamer und kontrollierter zu. Aus Interesse an der Theorie des Schwertfechtens hat sich Ralph Wehmeier auch schon mit der menschlichen Anatomie beschäftigt. So weiß er, wo Treffer am meisten Wirkung hinterlassen und wo mit möglichst wenig Krafteinsatz ein großer Effekt erzielt wird.

Die Aktiven wissen, wie martialisch ihr Hobby auf den ersten Blick rüberkommt. „So war es früher eben. Da ging es ums nackte Überleben“, sagt Ulf Hamster. Der sportlichen Fechtvariante stehen sie deshalb kritisch gegenüber. Dreimal getroffen werden und noch gewinnen – das hat es früher nicht gegeben. Denn dann war man bereits tot.

(Quelle: Braunschweiger Zeitung, 13.07.2020)

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